Was in vielen Lehrbüchern zur Brennstoffzelle oft nur am Rande erwähnt wird, ist die dynamische Balance und das Zusammenspiel der Feedbackschleifen auf molekularer Ebene, die das System entweder stabilisieren oder destabilisieren können. Eine Brennstoffzelle wandelt also keineswegs einfach nur Wasserstoff und Sauerstoff in Strom um; vielmehr beeinflussen sich elektrochemische Reaktionen, Massentransportprozesse und katalytische Oberflächenreaktionen wechselseitig in einem komplexen Netz auf Mikro- und Nanoskalen. Dabei sind es gerade Wechselwirkungen zwischen Protonenleitung im Elektrolyt, Elektronentransfer an den Elektroden sowie das An- und Ablagern von Reaktionsprodukten, die über Effizienz und Lebensdauer entscheiden. Die oft übersehene Diffusion von Wassermolekülen innerhalb des Membran-Elektrolyt-Systems führt zu einer Rückkopplung: Wird zu viel Wasser produziert, verstopfen Poren und hemmen den Ionentransport; weniger Wasser bedeutet jedoch erhöhte Widerstände eine Fragilität, die das empfindliche Gleichgewicht der Zelle treffend beschreibt.
Neulich versuchte ich einem Freund außerhalb unseres Fachgebiets zu erklären, wie genau dieser Wassermanagement-Effekt in einer Protonenaustauschmembran-Brennstoffzelle (PEMFC) funktioniert dabei wurde mir erstmal klar, dass ich selbst diesen Regelkreis nur halbwegs verstehe. „Wasser blockiert“ klingt ja schnell nach einem simplen Stau; tatsächlich spielen aber molekulare Adsorptions- und Desorptionsprozesse an Katalysatoroberflächen eine Rolle verbunden mit dem Einfluss auf die Protonenbeweglichkeit im Polymernetzwerk der Membran. Diese Wechselwirkungen führen dazu, dass lokale Bedingungen stark variieren können etwa Temperaturgradienten oder Konzentrationsunterschiede , was wiederum Rückwirkungen auf die Kinetik der Elektrodenreaktionen hat.
Bei den chemischen Reaktionen auf molekularer Ebene: An der Anode oxidiert Wasserstoff zu Protonen und Elektronen,
$$\mathrm{H_2} \rightarrow 2\mathrm{H}^+ + 2e^-,$$
während an der Kathode Sauerstoff mit Protonen und Elektronen zum Wasser reduziert wird:
$$\frac{1}{2}\mathrm{O_2} + 2\mathrm{H}^+ + 2e^- \rightarrow \mathrm{H_2O}.$$
Die Geschwindigkeit dieser Reaktionen hängt unter anderem von der Oberflächenstruktur des Platin-Katalysators ab, ebenso wie von Temperatur (typischerweise rund $80^\circ C$), Partialdruck der Gase und Feuchtigkeitsgrad der Membran. Das Phänomen der sogenannten „Kohlenmonoxid-Vergiftung“ zeigt beispielhaft, wie empfindlich diese Wechselwirkungen selbst bei minimaler Verunreinigung sind: Schon geringe CO-Spuren adsorbieren stark auf Platin und blockieren aktive Zentren, was einen dramatischen Einbruch der Reaktionsrate bewirken kann.
Um das etwas greifbarer zu machen: Angenommen, wir betrachten eine PEM-Brennstoffzelle bei $T=353\,K$ (also ca. $80^\circ C$) mit einem Partialdruck von Wasserstoff $p_{\mathrm{H}_2}=1\,\text{atm}$ und Sauerstoff $p_{\mathrm{O}_2}=0.21\,\text{atm}$ (Luftgemisch). Die elektrochemische Reaktion hat dabei eine Standard-Gibbs-Energieänderung $\Delta G^\circ \approx -237\, \text{kJ/mol}$ für die Gesamtreaktion
$$\mathrm{H_2} + \frac{1}{2}\mathrm{O_2} \rightarrow \mathrm{H_2O}.$$
Der Nernstsche Bezug für die Zellspannung $E$ ergibt sich aus
$$E = E^\circ - \frac{RT}{nF} \ln Q,$$
wobei $Q$ das Reaktionsquotient ist:
$$Q = \frac{1}{p_{\mathrm{H}_2} p_{\mathrm{O}_2}^{1/2}}.$$
Setzt man Zahlen ein ($R=8.314\,J/(mol\,K)$, $F=96485\,C/mol$, $n=2$), erhält man
$$E = 1.23\,V - \frac{8.314 \times 353}{2 \times 96485} \ln\left(\frac{1}{1 \times 0.21^{1/2}}\right).$$
Das berechnet sich ungefähr zu
$$E \approx 1.23\,V - 0.015\,V = 1.215\,V.$$
Diese Spannung gibt eine Vorstellung vom maximal möglichen Potential unter realistischen Betriebsbedingungen an; allerdings liegen Betriebsspannungen wegen ohmscher Verluste, Konzentrationsüberpotentialen und Aktivierungsbarrieren meist merklich darunter.
Was mich daran fasziniert wenn ich ehrlich bin auch ein bisschen ratlos macht ist nicht nur diese scheinbar simple Umwandlung von chemischer Bindungsenergie in elektrische Energie mit hoher Effizienz ohne Verbrennungsschritte, sondern vor allem die enge Kopplung dieser elektrochemischen Prozesse mit physikalischen Transportphänomenen: Der Protonentransport durch die Membran bildet eine Rückkopplungsschleife mit der Katalysatoraktivität an den Elektrodenoberflächen; wenn Protonen nicht schnell genug diffundieren können aufgrund von Trockenheit oder Überwässerung der Membranstruktur, bricht plötzlich nicht nur die Leistung ein, sondern es entstehen auch thermische Hotspots, was wiederum Materialdegradation beschleunigt... Und genau hier liegt sozusagen das Herzstück des Problems: Dieses System balanciert ständig zwischen Stabilität und Instabilität, getrieben durch gekoppelte Feedbackmechanismen zwischen molekularer Chemie und makroskopischem Transportverhalten.
Man könnte sagen: Die Brennstoffzelle ist mehr als nur ein elektrochemisches Bauteil; sie ist ein lebendes System aus Teilchenströmen, Oberflächenreaktionen und strukturellen Dynamiken wobei jede Änderung einer Variable sofort multiple Rückmeldungen nach sich zieht aber völlig klar ist mir nicht einmal ansatzweise, welche Rolle mikroskopische Unregelmäßigkeiten in Katalysatorstrukturen bei diesen Rückkopplungen spielen könnten. Wie groß ihr Einfluss im Vergleich zu makroskopischen Betriebsparametern wie Druck oder Temperatur tatsächlich ist? Da tut sich wirklich noch Betrachternebel auf. Trotz intensiver Forschung gibt es keine abschließende Antwort darauf; vielleicht weil wir erst am Anfang stehen damit zu begreifen, wie fein verzahnt all diese Prozesse miteinander verwoben sind...
Ja genau so dachte ich eben noch weiter darüber nach, als mir einfiel
Zusammenfassung wird erstellt…