Lipide sind essentielle Moleküle in der Biochemie, die Energie speichern und Zellmembranen bilden. Erfahren Sie mehr über ihre Funktionen und Typen.
Lipide umfassen eine heterogene Gruppe von hydrophoben Naturstoffen, die durch lange Kohlenwasserstoffketten charakterisiert sind und sich in polaren Lösungsmitteln wie Wasser praktisch nicht lösen. Diese geringe Polarität ermöglicht hingegen eine gute Löslichkeit in lipophilen Lösungsmitteln wie Chloroform oder Methanol. Die Unterteilung der Lipide erfolgt grundsätzlich in verseifbare und nicht verseifbare Klassen. Hauptfunktionen von Lipiden in lebenden Organismen sind der Aufbau von Zellmembranen, Energiespeicherung sowie die Signalübertragung zwischen Zellen [1].
Die biologische Vielfalt der Lipide lässt sich in sieben Hauptklassen gliedern: Fettsäuren, Triacylglycerole (Triglyceride), Wachse, Phospholipide, Sphingolipide, Lipopolysaccharide sowie Isoprenoide wie Steroide und Carotinoide. Nicht natürliche oder synthetische Stoffe dieser Klassen werden in der Regel nicht als Lipide bezeichnet [1].
Fettsäuren bestehen aus einer meist unverzweigten Kohlenwasserstoffkette mit einer terminalen Carboxygruppe. Man unterscheidet gesättigte Fettsäuren ohne Doppelbindungen und ungesättigte mit einer oder mehreren cis-Doppelbindungen. Beispielhaft steht Buttersäure als einfachste gesättigte Fettsäure mit vier Kohlenstoffatomen. Wichtige ungesättigte Vertreter sind Ölsäure (einfach ungesättigt) und Arachidonsäure (vierfach ungesättigt). Die Anzahl der Doppelbindungen beeinflusst den Schmelzpunkt maßgeblich: Je mehr Doppelbindungen vorhanden sind, desto niedriger ist dieser Wert [1].
Triacylglycerole machen den Hauptanteil der Nahrungslipide aus – mehr als 90 Prozent – und stellen einen bedeutenden Energielieferanten dar. Dabei liefert ein Gramm Fett etwa 38,9 kJ Energie im Vergleich zu 17,2 kJ pro Gramm Zucker. Dies macht Triacylglycerole besonders effizient als Langzeitspeicher energetischer Reserven im menschlichen Körper. Sie bestehen aus einem Glycerolrückgrat, an das drei Fettsäuremoleküle verestert sind. Die physikalische Form bei Raumtemperatur (20 °C) bestimmt ihre Klassifikation: Flüssige Triacylglycerole werden als Öle bezeichnet, feste als Fette [1].
Neben der Energiespeicherung übernehmen Triacylglycerole Schutzfunktionen gegen Kälte und mechanische Einwirkungen durch Fettpolster um Organe herum. Die Hydrolyse dieser Verbindungen mittels Verseifung führt zur Freisetzung von Glycerin und den entsprechenden Fettsäuresalzen [1].
Wachse bilden Einfach-Ester aus langkettigen Fettsäuren und Alkoholen mit gesättigten Alkylresten sowohl im Säure- als auch Alkoholteil. Im Gegensatz zu den Dreifachestern der Triacylglycerole zeigen Wachse eine geringere Öligkeit bei gleichzeitig höherer Härte und Porosität.
Die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft definiert Wachse anhand ihrer mechanisch-physikalischen Eigenschaften: Sie sind bei 20 °C knetbar bis fest oder brüchig hart mit einer kristallinen Struktur; farblich reichen sie von durchscheinend bis opak ohne glasartige Erscheinung; ihr Schmelzpunkt liegt über 40 °C ohne Zersetzung; knapp oberhalb dieses Punktes zeigen sie eine geringe Viskosität und eine stark temperaturabhängige Konsistenz sowie Löslichkeit; zudem lassen sie sich unter leichtem Druck polieren [1]. Diese Charakteristika differenzieren Wachse deutlich von Triacylglycerolen.
Membranbildende Lipide besitzen amphiphile Strukturen mit einem hydrophilen Kopfteil und einem hydrophoben Schwanzteil. Dies führt zur spontanen Bildung von Mizellen oder Doppellipidschichten in wässriger Umgebung.
Phospholipide stellen den wichtigsten Bestandteil biologischer Membranen dar. Sie lassen sich in Phosphoglyceride und Sphingomyeline unterteilen. Phosphoglyceride basieren auf Phosphatidsäure mit einer phosphorylierten C3-Hydroxygruppe am Glycerolrückgrat statt eines weiteren Acylrests bei Triacylglycerolen. Sphingomyeline besitzen ein Sphingosin-Grundgerüst statt Glycerol.
Die polare Phosphorsäurediestergruppe bildet den hydrophilen Kopf, während die Acylreste beziehungsweise sphingosinhaltigen Bereiche den hydrophoben Schwanz darstellen. Daraus resultiert die Ausbildung stabiler Doppelschichten mit hydrophilen Außenflächen zum wässrigen Milieu hin und einem inneren hydrophoben Bereich als Barriere zwischen Zellinnerem und Umwelt [1].
Phosphatidylcholin (Lecithin), Phosphatidylethanolamin sowie Phosphatidylserin sind die bedeutendsten Phosphoglyceride für Biomembranen. Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylserin werden auch als Kephaline bezeichnet. Sphingomyeline gehören sowohl zu den Phospho- als auch zu den Sphingolipiden [1].
Sphingolipide selbst bestehen aus Ceramiden, Sphingomyelinen und Glycolipiden. Sie kommen vor allem im Nervengewebe vor und übernehmen wichtige Funktionen bei Zellinteraktionen sowie Signaltransduktion [1].
Glycolipide besitzen einen glycosidisch gebundenen Kohlenhydratanteil an der Hydroxygruppe des Sphingosins, häufig lokalisiert an der Außenseite biologischer Membranen zur Zellkommunikation. Sie werden in Cerebroside, Ganglioside und Sulfatide unterschieden [1].
Etherlipide bilden die Hauptbestandteile archaeeller Zellmembranen mit Glycerol-Isoprenoid-Strukturen im Unterschied zu Bakterien oder Eukaryoten [1].
Die Verdauung beginnt im Darm, wo Nahrungsfette (Triglyzeride) durch pankreatische Lipasen nach Emulgierung durch Gallensalze in freie Fettsäuren sowie Monoglyceride zerlegt werden. Das Hormon Cholecystokinin (CCK) stimuliert die Freisetzung dieser Enzyme sowie die Kontraktion der Gallenblase zur Gallensaftabgabe. CCK wirkt zudem als Hungerunterdrücker im Gehirn [2].
Freie Fettsäuren passieren die Darmzellen und werden dort wieder zu Triglyzeriden verestert. Zusammen mit Cholesterin werden sie in Chylomikronen verpackt – phospholipidumhüllte Vesikel für den Transport im lymphatischen System bis ins Blut [2].
Im Körper dienen Triglyzeride als langfristiger Energiespeicher. Zur Energiegewinnung werden sie durch Lipolyse in Fettsäuren und Glycerin gespalten. Die Fettsäuren werden durch β-Oxidation in Acetyl-CoA umgewandelt, welches im Citratzyklus zur ATP-Bildung genutzt wird. Das Glycerin tritt als DHAP in die Glykolyse ein [2].
Die β-Oxidation beginnt im Cytoplasma durch Aktivierung von Fettsäuren zu Acyl-CoA-Verbindungen; diese werden mithilfe des Carnitin-Shuttles in das mitochondriale Matrixinnere transportiert [2].
Übermäßiger Acetyl-CoA-Anfall kann zur Synthese von Ketonkörpern führen – insbesondere β-Hydroxybutyrat –, welche alternative Energiequellen insbesondere für das Gehirn darstellen [2].
Beim Überangebot an Glucose erfolgt Lipogenese: Im Cytoplasma werden Acetyl-CoA-Moleküle schrittweise zu langkettigen Fettsäuren aufgebaut unter ATP-Verbrauch; diese können anschließend zu Triglyzeriden zusammengesetzt werden [2].
Der Transport von Acetyl-CoA aus Mitochondrien zum Cytoplasma geschieht indirekt über Citratsynthese aus Oxalacetat und Acetyl-CoA; Citrat wird mitochondrial exportiert, dann wieder gespalten zurück zu Oxalacetat und Acetyl-CoA im Cytoplasma [2].
Lipide fungieren nicht nur als Energiereserven oder Membranbausteine; sie sind auch entscheidend für Signaltransduktion innerhalb von Zellen sowie interzelluläre Kommunikation [1, 5].
Im klinischen Kontext spielen Lipoproteine eine Rolle bei diagnostischen Bewertungen des Lipidstoffwechsels [4].
Störungen des Lipidstoffwechsels gelten als Schlüsselfaktoren bei kardiovaskulären Erkrankungen aufgrund ihrer Wirkung auf Gefäßgesundheit sowie Entzündungsprozesse [5].
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Lipide
[2] https://lmu.pressbooks.pub/humanphysiology/chapter/16-3-lipid-meta...
[3] https://knowunity.de/knows/biologie-lipide-zusammenfassung-30878b2...
[4] https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668183/4915527/lipide+labor...
[5] https://dzhk.de/newsroom/aktuelles/news/artikel/lipide-als-schlues...
Zusammenfassung wird erstellt…